Karben: Vor vollem Haus berichtete Udo Seum in einem spannenden Vortrag über seine Erfahrungen mit dem Kormoran. Dieser Wasservogel ist seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland zu Hause. Er hat sich über die Ost- und Nordseeküsten Küsten und dann über die Flüsse, insbesondere über den Rhein in Deutschland ausgebreitet. Der Kormoran brütet in Kolonien, die bedeutendste liegt in Hessen am Kühkopf.

Da der Kormoran fast ausschließlich von Fischen lebt, wurde er von den Menschen so intensiv verfolgt, dass er bei uns fast ausgestorben war. Durch seine Unterschutzstellung in den 70er Jahren haben sich die Bestände nachhaltig erholt, so dass er seit Jahren auch in der Wetterau wieder vorkommt. Da mit dem Wiedererstarken des Kormoranbestände mit Schwierigkeiten seitens der Teichwirte und der Sportangler zu rechnen war, wurde unter dem Vorsitz von Seum für den Wetteraukreis vor ca. drei Jahren eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit allen Fragen rund um den Kormoran beschäftigt. In dieser Arbeitsgruppe sind Vertreter der Naturschutzverbände, der Sportangler, der Naturschutzbehörde und der Vogelschutzwarte vertreten. Gemeinsam werden von dieser Arbeitsgruppe bei auftretenden Schwierigkeiten Lösungen erarbeitet, die dem Naturschutz und den Belangen der Sportfischerei Rechnung tragen.
Seum berichtete von den überraschenden Ergebnissen der Bestandserhebungen, die zeigen, dass der Kormoran nach seiner raschen Zunahme in Hessen seit 2004 um 50% zurückgegangen ist. Allein von 2008 auf 2009 haben die Bestände in Hessen um 30% abgenommen. Seum hat festgestellt, dass man kaum Jungvögel zu sehen bekommt. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch nicht geklärt. Seum lud seine Zuhörer ein, sich Mitte März an den Bestandserhebungen zu beteiligen. Generell würden auch die Sportfischer bei den Zählungen mitmachen, um die Akzeptanz der Ergebnisse sicher zu stellen.
Immer wieder betonte Seum, dass das Abschießen, manchmal sogar in die Nester hinein, völlig abzulehnen sei. Laut Seum ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Flüsse wieder naturnah ausgebaut werden, so dass die Fische genügend geschützte Stellen in unseren Flussläufen unter Uferüberhängen oder Todholz sowie im flachen Wasser finden, wo sie vor dem Kormoran relativ sich sind. Als vorbildlich nannte er die Renaturierungsmaßnahmen an verschiedenen Stellen der Nidda. Teichanlagen mit ihrem Überangebot an Fischen könnten z.B. durch eine weitmaschige Überspannung der Wasserfläche mit Schnüren geschützt werden, weil der Kormoran zum Starten in die Luft einen „Anlauf“ von ca. 10 m braucht und deshalb solche überspannten Wasserflächen meidet. Solche Schutzmaßnahmen werden sogar mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Der NABU Karben lädt zu seinem zweiten öffentlichen Vortrag am 28. Januar 2010 um 20 Uhr in das Bürgerzentrum der Stadt Karben, Rathausplatz 1, Klubraum I, ein. Es geht dieses Mal um den Kormoran, der zum Vogel dieses Jahres gekürt wurde.
Den Dia-Vortrag hält Herr Udo Seum, einer der wenigen Experten, der sich seit Jahren mit diesem faszinierenden Vogel beschäftigt. Seum war maßgeblich an der Ausweisung des großen Naturschutzgebietes im Bingenheimer Ried beteiligt, das er mit seinen Freunden seit vielen Jahren betreut. Das Ried ist für den Kormoran ein Nahrungsbiotop, so dass er dort gut beobachtet werden kann. Der Kormoran ist ein gewandter Schwimmer, der von der Fischjagd lebt. Während die meisten Wasservögel auf dem Boden brüten, brütet der Kormoran in Kolonien auf Bäumen in der Nähe von Flüssen und stehenden Gewässern. Da er Fischjäger ist, wurde er von den Berufsfischern, Teichwirten und Anglern derart verfolgt, dass er bei uns fast ausgestorben war. Seit den 70er Jahren steht der Kormoran unter Schutz. Seitdem konnten sich die Bestände nachhaltig erholen.
Seum wird interessante Bilder über die Lebensweise und das Jagdverhalten sowie über das Brutgeschäft und die Jungenaufzucht dieses interessanten Wasservogels zeigen sowie den Hintergrund für die derzeitige Diskussion um den Kormoran erläutern. Außerdem zeigt er die Bestandsentwicklung des Kormorans in der Wetterau auf. Weitere Informationen können über die Homepage des NABU Karben abgerufen werden.